Recyclingpapier-Report der Initiative Pro Recyclingpapier

Die Verwendung von Recyclingpapier im Büro – gähn – ist doch ein ganz alter Hut und total selbstverständlich, könnte man denken. Dem ist leider nicht so. Die Initiative Pro Recyclingpapier (IPR) hat es sich, seit dem Jahr 2000, zur Aufgabe gemacht die Akzeptanz von Recyclingpapier im Büroalltag zu stärken. Mitglied im IPR sind 25 Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die anhand von Best-Practice-Beipielen zeigen wollen was Recyclingpapier alles kann.

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Initiative hat sie einen Recyclingpapier-Report herausgegeben, den ich mir mal genauer angesehen habe.

Nach obligatorischen Grußworten, den Meilensteinen aus 15 Jahren IPR und einer genaueren Vorstellung der Initiative gibt es interessante Daten und Fakten zum Thema Papier.

Solche Vergleiche sind ja immer beeindruckend:

Recyclingpapier schont Ressourcen
• Die Produktion von drei Blatt Recyclingpapier spart so viel Energie, wie zum Kochen einer Kanne Kaffee benötigt wird. Sechs Blatt sparen bereits einen Liter Wasser.

• Mit der eingesparten Energie von 250 Blatt könnte eine 11-Watt-Energiesparlampe mehr als 50 Stunden leuchten. 500 Blatt sparen so viel Energie, wie für eine Maschinenwäsche benötigt wird.

• Eine Tonne Recyclingpapier spart im Vergleich zum Frischfaserpapier aus Zellstoff die Menge an CO2 ein, die ein durchschnittliches Auto auf rund 1.000 km ausstößt.

• Würden die Unternehmen der kompletten Finanzbranche in Deutschland ihren Büropapierverbrauch konsequent auf Recyclingpapier umstellen, würden sie den Jahresstromverbrauch der Einwohner einer Großstadt wie Kassel einsparen.

(Recyclingpapier-Report 2015, S. 11)

Die Initiative sieht das Label »Der Blaue Engel« als wichtigste Orientierungsmarke im Papierbereich an. Auf S. 13 gibt es eine gute tabellarische Übersicht über die Kriterien der verschiedenen Papier-Label. Hier wird auch anschaulich gemacht, dass »Der Blaue Engel« die strengsten ökologischen Standards hat.

Anschließend wird die Kampagne »CEO’s Pro Recyclingpapier« und ihre zentralen Ergebnisse vorgestellt. »Eine wesentliche Erkenntnis der Studie war, dass die Entwicklung ökologischer Nachhaltigkeit meist in den Händen der Unternehmensführung liegt. Das persönliche Engagement von Vorstandsvorsitzenden bzw. GeschäftsführerInnen ist somit ausschlaggebend für konsequente Umstellprozesse im Sinne des Ressourcenschutzes.« (Recyclingpapier-Report 2015, S. 14)

Nach dem Sektor der Unternehmen wird der Sektor der öffentlichen Hand in dem Bericht thematisiert. Auch hier gab es eine Kampagne: »Grüner beschaffen«. Ein Ziel dieser Kampagne war es zu zeigen, dass die Umstellung auf Recyclingpapier auch kurzfristig möglich ist. Die IPR setzt sich außerdem dafür ein den »Blauen Engel« zum Maßstab für die Beschaffung von Papier in öffentlichen Einrichtungen zu machen.

Abschließend geht es noch um den nationalen Städtewettbewerb »Papieratlas« bei dem »die Kommunen werden dazu aufgerufen, ihren Papierverbrauch und die Einsatzquoten von Papier mit dem Blauen Engel offenzulegen.« (Recyclingpapier-Report 2015, S. 26)

Dieser Wettbewerb wurde 2008 ins Leben gerufen und hat sich inzwischen als Instrument der ressourceneffizienten Beschaffung etabliert. Der Gewinner des Papieratlas-Städtewettbewerbs 2014 ist Erlangen und natürlich kommt dann auch noch der Oberbürgermeister von Erlangen in einem Interview zu Wort.

Das Fazit des Berichts lautet: Der Anfang ist gemacht, aber es ist noch deutlich Luft nach oben vorhanden. »Die Lücke zwischen hohem ökologischen Bewusstsein und entsprechendem Verhalten ist nach wie vor beträchtlich. Und auch nach 15-jähriger Arbeit ist festzustellen, dass Vorurteile eine lange Halbwertzeit haben. Hier ist weiterhin ein langer Atem nötig. Die Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, das Wissen um die Vorteile von Recyclingpapier in noch konsequenteres Handeln zu transferieren.« (Recyclingpapier-Report 2015, S. 31) Dieses Fazit gilt wohl leider für alle Bereiche: Die Kluft zwischen Bewusstsein und Handlung ist leider groß.