Nachhaltige Sanitärlösungen für Deutschland (Teil 2)

Dies ist der zweite und letzte Teil unserer kleinen Serie über nachhaltige Sanitärlösungen. Den ersten Teil findet ihr hier.

Nachhaltige und wassersparende Toilettenlösungen sind nicht nur für Indien relevant. Auch in Deutschland können diese Lösungen viel Sinn machen. Beispielsweise da, wo eine dezentrale, nachhaltige Sanitärlösung günstiger ist, als in einen Netzanschluss zu investieren. Aktuell kommt es aufgrund der neuen Wasseranschlussgesetze für Kleingärten häufiger vor, dass wir Anfragen von Kleingärtnern erhalten, die über unsere Kleingartenkampagne Trockentrenntoiletten oder Komposttoiletten kaufen möchten.

Denn die Anschaffung und der Einbau neuer Sammelgruben, wie von den neuen Wasseranschlussgesetzen vorgesehen, sind mit sehr hohen Kosten verbunden. Für Kleingärtner die ihren Wohnsitz unmittelbar in der Nähe zu ihren Gärten haben und meist nur tagsüber nutzen, lohnt sich dies nicht und Sie sind interessiert an unseren verschiedenen Trockentoilettenmodellen.

Des Weiteren entspricht es dem Zeitgeist der Gärtner, den gerade die Trockentoilette erlaubt einen schonenden Umgang mit der Natur und die Umsetzung eines Recyclingsystems. So freut sich am Ende der Gärtner nicht nur über reduzierte Kosten, sondern Jahr für Jahr über den selbstproduzierten Kompost. Einen Teil der Einnahmen, die aus diesem langsam anlaufenden Geschäft kommen, verwenden wir wieder, um Toiletten in Indien zu bauen.

Ein weiteres Gebiet, das wir seit Juni 2013 angehen, um nachhaltige Sanitärversorgung auch in Deutschland bekannter zu machen, ist die Vermietung von ökologischen mobilen Toiletten an Festivals, Events und auf Nachhaltigkeit fokussierte Filmproduktionsfirmen. Im Vergleich zu den üblichen blauen Chemietoiletten aus Plastik sind unsere Komposttoiletten nachhaltig, geruchlos und aus Holz.

Die Funktionsweise von Trockentrenntoiletten und Komposttoiletten

Die Trockentrenntoiletten, die wir mit unserem Verein Non-Water Sanitation und unseren Partnern, wie zum Beispiel der Ecosan Services Foundation, in Indien bauen, sind Hocktrenntoiletten. Die Toilette besteht aus zwei größeren Kammern. Über diesen Kammern findet sich jeweils ein Einsatz, mit zwei Bereichen für die Füße zum Hocken. Das größere der drei Löcher ist für die Fäzes, die direkt in die darunterliegende größere Kammer fällt. Das zweite Loch ist für den Urin. Dieser wird über einen Schlauch weggeleitet und in einem Kanister außerhalb der Toilette aufgefangen. Das dritte Loch ist für das Wasser, mit dem man sich in Indien nach dem Toilettengang reinigt. Das Wasser wird außerhalb der Toilette in eine Filtrierungsanlage aus Mineralien und Kies gelenkt, um es zu reinigen und sicherzugehen, dass keine Pathogene in das Grundwasser gelangen. Ist eine der zwei Kammern mit Fäzes gefüllt, wird die Kammer nicht mehr benutzt und die Familie benutzt die zweite Kammer. So kann das Material in der ersten Kammer getrocknet und kompostiert werden, während die zweite Kammer genutzt wird. Wenn die zweite Kammer fast voll ist, kann die erste Kammer mit dem getrockneten und geruchslosen Material geleert werden und die zweite Kammer wird geschlossen. Der Vorteil dieses Systems ist, dass der Urin, mit Wasser vermischt direkt als mineralreicher Nitratdünger auf dem Feld ausgebracht werden kann. Die Fäzes kann nach dem Kompostierungsvorgang als Bodenverbesserer für Baumplantagen, Zier- und Futterpflanzen genutzt werden. Die Trennung des Urins von der Fäzes und der Verzicht auf Wasser zum Spülen trägt außerdem dazu bei, dass die Toilette nicht stinkt. Wenn nach jedem Toilettengang etwas Material, zum Beispiel Asche, beigeschüttet wird, dann bleibt die Toilette geruchlos.

Im Vergleich zur Trockentrenntoilette wird in einer einfachen Komposttoilette keine Trennung von Fäzes und Urin vorgenommen. Die ökologischen mobilen Komposttoiletten, die wir aktuell mit Ecotoi vermieten (www.ecotoi.de), bestehen letztendlich aus einem dichten Fass, das unter der Toilette steht. Nach jedem Toilettengang wird Streumaterial hinzugegeben. In der Regel verwenden wir die in Zoohandlungen erhältliche Spreu. Diese bindet die Feuchtigkeit und verhindert dadurch, dass die Toilette anfängt zu stinken. Ist das Fass voll wird das Material zum Bauern gefahren und dort kompostiert. Bei unseren Festivaltoiletten, haben wir uns für die Komposttoiletten entschieden, da diese einfacher zu benutzen sind. Denn nutzt jemand eine Trockentrenntoilette falsch und es gelangt Urin in die Fäzeskammer, kann dies schnell zu schlechtem Geruch führen.

Ecotoi Aufbau

Fazit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Sanitärversorgung nachhaltig zu gestalten. Deutschland ist ein wasserreiches Land und wir können es uns ‚leisten‘ Wasser durch unsere Toiletten zu spülen. Wirklich nachhaltig ist es nicht. Auch wenn das Wasser größtenteils wieder gereinigt werden kann, gelangen Pathogene in unsere Gewässer.

Ein weiteres Problem ist, dass die Kosten pro Kopf für die Reinigung des Wassers, die Instandhaltung unseres Abwassersystems oder sogar für den Neubau von zentralen Abwassersystemen, in Gebieten mit Bevölkerungsschwund enorm ansteigen. Hier könnten die dezentralen, wassersparenden Sanitärlösungen viele Kosten sparen.

Noch wichtiger ist es aber, dass Länder wie Indien, die im Bereich Sanitärinfrastruktur in vielen Bereichen noch sehr am Anfang stehen, schon jetzt auf nachhaltige System setzen und eine Infrastruktur erschaffen, die langfristig kostensparender und sinnvoller ist, als die Wasserspültoiletten des Westens.

Und vielleicht können wir sogar etwas von den Technologien lernen, die vor allem in Ländern wie Indien zum Einsatz kommen. Das Tippy-Tap beispielsweise, ist eine günstige, einfach zu konstruierende und wassersparende Handwascheinrichtung und die Tippy-Taps machen sich an der Schule in Indien, mit der wir aktuell ein Schultoilettenprojekt durchführenund für die wir Spenden sammeln genauso gut, wie bei den Berliner Festivals, auf denen unsere Komposttoiletten von Ecotoi schon standen.

 


Wir freuen uns über diesen Gastartikel von Thomas Jakel.

Thomas ist Unternehmer und Mitgründer Ecotoi. 2012 fuhren und drei Freunde mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien, um auf nachhaltige Sanitärversorgung aufmerksam zu machen und Toiletten in einem indischen Dorf zu bauen. Den Dokumentarfilm zu der Tour und dem Projekt kann man kostenlos unter Guts for Change sehen.

Fotos: @ Johann Angermann