Kommentar zum fairsten Jahresbericht 2010 von LemonAid

Der sogenannte »fairste Jahresbericht 2010, 33 Seiten Gerechtigkeit zum Nachschlagen.« von LemonAid behandelt alles fair – sogar die Gestaltungselemente.

Die Namen des Teams sind z.B. als Kreis gesetzt, damit es keine Rangfolge gibt und auch die Balken der Balkendiagramme sind alle gleich lang und haben die gleiche Farbe. Es wird auch nicht zwischen Überschrift und Text gestalterisch/typografisch unterschieden.

Der Bericht ist schon witzig und intelligent gestaltet. Er ist auch beim ADC Wettbewerb* mit mehreren Nägeln** ausgezeichnet worden. (Auch wenn man sich über die Teilnahme an diesem Wettbewerb streiten kann, da die Einreichung bis zu 730 Euro pro Arbeit kostet und damit natürlich eher die großen Agenturen Arbeiten einreichen (können). Außerdem gibt es dort auch immer wieder Arbeiten, die nur für den Wettbewerb konzipiert und gestaltet wurden, also nur zum ADC Nägel gewinnen – ohne echten Auftrag und Kunden.)

Fragwürdig finde ich allerdings, dass Jung von Matt mit der Gestaltung des Berichts beauftragt worden ist. Die großen Werbeagenturen stehen ja nicht grade für besonders faire Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden und Wochenendarbeit sind Gang und Gäbe. Das Privatleben findet mit der »neuen Familie«, also in der Agentur statt und grade Berufseinsteiger (oft Frauen), die sich noch nicht trauen Nein zu sagen, werden zerschlissen bis sie kündigen und dann durch neue billige Arbeitskräfte ersetzt.

Ist das fair?

* der Art Directors Club (ADC) e.V. veranstaltet jährlich den ADC Wettbewerb (nach eigenen Angaben, die größte Kreativschau der Welt)

**die besten Arbeiten werden mit Nägeln (Gold, Silber oder Bronze) ausgezeichnet

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