makeITfair Action Day 2011 – Interview

Huldigung eines Kultes. – Interview mit Axel

Axel hat den makeITfair Action Day in Hamburg organisiert. Seine Idee war auch die Ipad-Opferung; eine religiöse Anbetung des Apple-Gerätes. In einem Straßentheater wurde dem Ipad gehuldigt und dessen rituelle Opferung immer wieder angedroht. Ziel war es, auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Elektronikindustrie hinzuweisen. Der Nachhaltigkeitsblock sprach mit dem Aktivisten Axel:

Nachhaltigkeitsblock: Was hat Dich dazu bewegt am makeITfair Action Day teilzunehmen?

Axel: Die Vorfälle in China haben mich auch betroffen gemacht, und ich wollte mich dazu äußern. Als Nutzer von drei Apple-Geräten, die ich sehr schätze, will ich meine Meinung als Kunde kundtun. Außerdem habe ich seit einigen Jahren eine gute Beziehung zu Germanwatch und makeITfair, so dass Cornelia Heydenreich mich angesprochen hat, ob ich nicht in Hamburg was zum ActionDay machen will.

Nachhaltigkeitsblock: Wie bist Du auf die Idee der »iPad-Opferung« gekommen?

Axel: Für mich müssen Proteste und Aktionen im öffentlichen Raum immer Humor haben, sonst langweilen sie mich. Zunächst wollte ich vor dem entstehenden MacStore am Jungfernstieg eine Prozession abhalten, die mit der Apple-Leidenschaft spielt. Immer wenn ein neues Gadget von Apple rauskommt, nimmt der Kult um die Marke Züge religiöser Praxis an. Die MacStores sind wie die Kathedralen des digitalen Menschen von heute. Ich konnte das aber dort nicht durchführen, weil nicht genug Platz vor der Baustelle ist.

Dann habe ich überlegt, was einem Apple-Fan am meisten weh tun würde: Wenn ich ein iPhone oder iPad mit brutaler Gewalt zerstören würde. Also haben wir bei der Aktion ständig angedroht, ein iPad mit einem Vorschlaghammer zu zerkloppen – was wir nie getan haben, auch nicht am Ende der Aktion! Es geht und ging nicht darum, Gewalt als Mittel des Protests zu verwenden, sondern eigentlich nur darum, die Passanten zum Stehenbleiben zu bewegen. Wir haben behauptet, dass wir das iPad den Göttern opfern wollen, um die Zustände in China zu ändern.

Nachhaltigkeitsblock: Wie war die Reaktion der Passanten?

Axel: Die Passanten waren größtenteils amüsiert und haben gute Gespräche mit uns geführt. Da wir unterschiedliche Angebote zum Handeln gegeben haben, war das wohl ganz erfolgreich. Fotos von der Aktion sind auf flickr zu sehen.

Nachhaltigkeitsblock: Wie geht es weiter? Sind weitere Aktionen geplant? Gibt es Gruppen wo mensch mitmachen kann?

Axel: Das Thema wird uns alle weiter beschäftigen, beschäftigen müssen, je mehr wir unser Leben auf der IT aufbauen. Am Ende besteht bei allen Computerherstellern Verbesserungsbedarf, was ökologische Aspekte und Arbeitsstandards angeht. Informationen zu aktuellen Aktionen und Veranstaltungen gibt es auf der Homepage von makeITfair. Interessierte können auch der Facebook-Gruppe beitreten.

Nachhaltigkeitsblock: Vielen Dank für das Interview.