Fast Fashion – Ausstellung im MKG Hamburg

Auf Flohmärkten wundere ich mich sehr über die Mengen an Klamotten und Schuhen, die dort ver- und gekauft werden. Und vieles ist so gut wie neu. Wobei ich absolut nichts gegen Flohmärkte oder den Kauf oder Verkauf gebrauchter Kleidung sagen will.

Nach dem Besuch der Fast Fashion Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe ist bei mir aus der Verwunderung Nachdenklichkeit bis hin zu Wut geworden. Nun muss man sagen, dass die Ausstellung, dank zum Teil recht pathetischer-emotionaler Aufbereitung (besonders die Filme), genau das bewirken wollte. Aber von vorn:

Die Ausstellung Fast Fashion wirft einen sehr kritischen Blick hinter die hübsche, glitzernde und hippe Fassade der Modewelt. Dahinter sieht es sehr düster aus: Von extremer Umweltverschmutzung, über sklavenähnliche Ausbeutung der Arbeiter bis hin zu schrecklichster Tierquälerei. Für die meisten von uns ist das alles nicht neu aber so geballt in einem Raum dargestellt und anhand von Infografiken, Fotografien und Filmen anschaulich gemacht ist die Ausstellung ziemlich heftig.

Mir sind besonders die Fotografien und Filme in Erinnerung geblieben, die einen im ersten Moment schmunzeln lassen. Zum Beispiel berichten in einem Film indische Frauen, die in einem Sortierbetrieb für Altkleider arbeiten, verwundert über Schlüpfer, die mit Perlen und Steinchen besetzt wären. Oder sie wundern sich darüber, dass viele Sachen ja noch ganz neu und ungetragen wären. Eine Frau vermutete angesichts der Menge, die sie sortieren würde, dass es im Ausland, wo die Altkleider herkommen, vielleicht kein Wasser gäbe (um die Kleidung zu waschen).

Einige Infografiken habe ich nicht verstanden bzw. waren unklar, weil Beschriftungen gefehlt haben. Aber man konnte es sich aus dem Kontext heraus einigermaßen erschließen.

Sehr gut fand ich, dass das Thema Tierquälerei in der Ausstellung auch thematisiert wurde in Form von dem entsetzlichen Umgang mit Angora-Kaninchen. Hier hat mir allerdings das, leider gerade wieder hochaktuelle Thema der Echt-Pelze gefehlt.

Die Ausstellung verteilt sich auf zwei Räume: Den Fast Fashion und den Slow Fashion Raum. Wenn man sich im Fast Fashion Raum das ganze schreckliche Ausmaß angesehen hat sollte man sich noch in den Slow Fashion Raum begeben um die Alternativen kennenzulernen. Leider ist das erste was einem in dem Raum auffällt ein ziemlich komischer Chemie-Geruch (ausgerechnet in dem Raum mit den Alternativen – ziemlich ungünstig).

Dort werden jedenfalls zum Beispiel verschiedene Textil- bzw. Woll-Label vorgestellt und außerdem alternative Stoffe, wie z.B. Leinen, Ramie, Tyvek usw. Auch alternative Konsumarten werden präsentiert, wie z.B. die Möglichkeit Kleider zu mieten, zu tauschen, upzucyclen usw. Leider kann dieser Raum die Qualität der Ausstellungsgestaltung des Fast Fashion Raumes nicht halten. Es wirkt alles etwas durcheinander und lieblos nebeneinander aufgehängt was sehr schade ist.

Über die Ausstellungsräume hinaus behandelt und kommuniziert das Museum, mit Hilfe eines Blogs (Stilbrise), das Thema Slow Fashion und nachhaltige Mode weiter.

Insgesamt ist die Ausstellung absolut sehenswert und ich hoffe, dass die Besucher nachdenklich nach Hause gehen, die sehr emotionalen Eindrücke noch lange nachhallen und sich jeder einmal fragt wieviel Kleidung von welcher Qualität er wirklich braucht und ob es wirklich dauernd etwas neues, vermeintlich modisches sein muss.

http://www.mkg-hamburg.de/de/ausstellungen/aktuell/fast-fashion.html
Webseite zur Ausstellung: www.fastfashion-dieausstellung.de
Blog zur Ausstellung: Stilbrise