Einfach mal die Klappe halten – Faszination Hundeerziehung

Hund Söckchen

Seit Mitte Januar bin ich Frauchen eines kleinen ehemaligen rumänischen Straßenhundes names Söckchen*. Nun soll aus dem ehemaligen Straßenhund ein souveräner Großstadthund werden und das geht natürlich nur mit Erziehung. Aber welche Methode ist die richtige?

Ein Blick in eine größere Auswahl an Hundeerziehungsratgebern aus der Bücherhalle hat mich mehr verwirrt als wirklich weiter gebracht. Zum Glück hatten wir schon einen Termin in einer Hundeschule und die Hundetrainerin hat mich auf die Methode von Anton Fichtlmeier aufmerksam gemacht. Das klang so überzeugend, dass ich gleich in zwei Bücher von ihm investiert habe und diese Investition hat sich wirklich gelohnt.

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Söckchen wird geschätzt auf ein Alter von 2 Jahren und ist damit gerade erwachsen. Allerdings ist sie, durch ihre Vergangenheit, was die Sozialisation im Zusammenleben mit Menschen und dem Leben in einer Großstadt angeht, auf dem Stand eines Welpen – daher das Welpenbuch.

Im ersten Teil erklärt Fichtlmeier erst einmal grundsätzliches zu Hunden, der sozialen Ordnung und Kommunikation in der Hundewelt und der Kommunikation von Mensch und Hund. Hier räumt er z.B. auch ganz plausibel mit der Vorstellung auf, dass die Sozialstrukturen von Wölfen auf Hunde übertragbar seien. Zur Kommunikation von Hund und Mensch erklärt er das Binärsystem, das nur entweder aus dem positiven oder dem negativen Bereich besteht (oder wie beim Computer: nur aus 0 oder 1).

Sein Erziehungsgrundsatz basiert darauf, dass der Hund von sich aus und gern Kontakt zum Menschen sucht und hält. Dazu ist Blickkontakt wichtig und zunächst die Verständigung über Gesten. Hierzu gibt es dann viele aufeinander aufbauende, ganz einfache Übungen. Ich muss sagen, dass es erst gar nicht so leicht ist einfach mal die Klappe zu halten und den Hund nur über Gesten und Zunge schnalzen oder »Honolulu« zu rufen und eben nicht auf die verbale Ebene auszuweichen, wenn es nicht gleich klappt. Aber mit etwas Übung, Geduld und Konzentration ist das dann gar nicht mehr so schwer und mit seiner Methode haben Söckchen und ich schon einige Erfolge erzielt.

Das ist es, was mich so begeistert und zu einem Fan der Methode gemacht hat, dass nicht nur der Hund viel souveräner mit vielen ungewohnten Situationen umzugehen lernt und mir und meiner Führungsrolle vertraut, sondern faszinierend finde ich es auch wie viel ich dazu lerne in punkto Geduld, klare Kommunikation, Ruhe bewahren, aufmerksam sein usw. Und besonders schön sind dann die Fortschritte, die man gemeinsam mit dem Hund macht. Also, Klappe halten – mit Gesten macht Hundeerziehung Spaß!

* Söckchen habe ich über den Hamburger Tierschutzverein und das Tierheim Süderstraße adoptiert. Der HTV hat eine Kooperation mit dem Verein Pro Dog Romania. Das ist nun schon mein zweiter Hund aus dem Tierschutz und ich kann es nur weiterempfehlen sich für einen solchen Hund zu entscheiden!