Dragon Dreaming – Interview mit Ilona Koglin

Ilona_Koglin

Wer bist Du und was machst Du?

Beruflich gesehen bin ich Dragon Dreaming Trainerin und Medien-Beraterin. Mit meinem Mann Marek Rohde habe ich das Redaktionsbüro WHOOPEE CONNECTIONS gegründet. Das heißt auf der einen Seite entwickeln wir Konzepte für Online-Magazine, Blogs, Plattformen, Communities sowie Content-Strategien und leiten deren Umsetzung. Auf der anderen Seite geben wir offene und projekt-begleitende Workshops zu Dragon Dreaming und Storytelling.

Ich bin aber auch eine echte Idealistin. Das heißt wir haben den Ehrgeiz, dass alle Projekte, die wir mit initiieren, begleiten und leiten eine bessere Welt befördern. Das wiederum ist auch Thema unseres Blogs www.fuereinebesserewelt.info, den wir seit 2007 betreiben. Hier berichten wir über all die großen und kleinen HeldInnen, die mit ihren Projekten, Initiativen, Unternehmen und Organisationen zu einer positiven Entwicklung beitragen.

Was ist Dragon Dreaming?

Dragon Dreaming ist ein Set aus Methoden, das Teams und Gemeinschaften hilft, ihre Ideen als Projekte gemeinsam zu planen und zu verwirklichen. Auf sehr spielerische Weise hilft Dragon Dreaming bei der gemeinsamen Entwicklung der kollektiven Vision, der Zielsetzung sowie der Aufgaben-, Zeit- und Budgetplanung. Dabei fußt Dragon Dreaming aber auch auf ganz klaren Werten und Idealen: Alle Dragon Dreaming Projekte müssen die Weiterentwicklung des Einzelnen, des Teams und auch der Welt insgesamt fördern.

Das klingt vielleicht zunächst nicht so wesentlich. Doch wenn man genauer darüber nachdenkt – und das vor allem auch mit Verve umzusetzen versucht, mit der dies Dragon Dreaming Projekte tun, dann ist das schon recht revolutionär für unsere Arbeitswelt: Es bedeutet, dass jeder einzelne Arbeitnehmer durch jedes Projekt mehr Fähigkeiten, mehr soziale Kompetenz und auch mehr (Selbst)Vertrauen gewinnt. Es bedeutet, dass jedes Projekt den Zusammenhalt eines Teams, einer Nachbarschaft, einer Arbeitsgemeinschaft, eines Unternehmens etc. stärkt. Und es erfordert auch, dass jedes Projekt die Umwelt tatsächlich zumindest schützt – aber eigentlich fördert und stärkt. Wenn wir uns überlegen, wie unsere Arbeitswelt heute tatsächlich aussieht, dann sind das ganz schön große Ideale.

Was begeistert Dich am meisten daran?

Dragon Dreaming hat mich auf Anhieb auf mehreren Ebenen begeistert:

  1. Die Methoden funktionieren – unabhängig von den zugrunde liegenden Idealen. Es ist für mich jedes Mal erstaunlich, was für einen Team-Building-Prozess Dragon Dreaming anstößt. Und auch welche Kreativität und – was ich mindestens genauso wichtig finde – welchen Enthusiasmus, das gemeinsam geplante Projekt auch tatsächlich Realität werden zu lassen. Dragon Dreaming setzt ein ungeheures Potential an Identifikation und Begeisterung für eine Sache frei.
  2. Nichtsdestotrotz halte ich die zugrunde liegende Haltung – die drei oben genannten Prinzipien – für absolut wesentlich. Ohne dass wir – jeder Einzelne von uns – an unserer Haltung arbeiten, kann tatsächliche Gemeinschaft und echte kollektive Intelligenz nicht funktionieren. Das bedeutet auch, dass Dragon Dreaming nicht das „einfache Kochrezept“ für gelingende Projekte ist. Die Methoden unterstützen dabei. Aber die innere Haltung – Respekt, Achtsamkeit, Liebe – die muss man schon wollen. Das ist natürlich ein lebenslanger Lernweg.
  3. Und das Dritte, das mich an Dragon Dreaming begeistert ist die weltweite Community, die daraus gerade entsteht. Letzten Sommer gab es in der Nähe von Wien ein internationales Treffen der Dragon Dreaming Trainer, um den Aufbau der Community zu besprechen. So ein globaler Gemeinschaftsbildungsprozess, der auf den bereits genannten Idealen basiert, ist unglaublich spannend und bereichernd. Da habe ich schon sehr viel für mich und meine Arbeit, mein Leben gelernt.

Warum eignet es sich so gut für gemeinschaftliche und nachhaltige Projekte?

Ein paar Aspekte habe ich schon genannt: Auf der einen Seite fördern die Dragon-Dreaming-Methoden die Gemeinschaftsbildung, sie fördern die kollektive Intelligenz und unterstützen damit die gemeinsame Ideenentwicklung und Projektplanung. Auf der anderen Seite sind Dragon-Dreaming-Projekte deshalb nachhaltig geplant, weil sie den vier Phasen „Träumen“, „Planen“, „Handeln“ und „Feiern“ gleich viel Raum, Zeit und Geld widmen.

Üblicherweise legen wir in unserer (Arbeits-)Welt sehr viel Wert auf das Planen und Handeln. Das Träumen – also die Frage: Wie soll die Welt eigentlich aussehen, in der wir leben wollen und welche Projekte etc. ergeben sich daraus? – findet viel zu wenig Raum. Genauso wie das Feiern, das im Dragon Dreaming nicht nur das feuchtfröhliche Party-Feiern meint, sondern auch eine reflexive und kommunikative Auswertung: Was habe ich oder was haben wir aus dem Projekt gelernt – aus den Erfolgen, den Fehlern, den schwierigen und den tollen Momenten … und möglicherweise auch aus dem Scheitern? Es geht darum, sich bewusst zu machen, was geschehen ist und welche Konsequenzen dies hat, welche Erfahrungen, Erkenntnisse und sogar Weisheiten daraus erwachsen. Es geht darum dies zu teilen – mit der eigenen Gemeinschaft, aber auch mit anderen, ähnlichen Projekten, Initiativen und Unternehmen.

Nutzt Du Dragon Dreaming auch in Deinem beruflichen Kontext/Tagesgeschäft?

Ja, auf jeden Fall! Wobei ich dazu sagen muss, dass ich Dragon Dreaming um weitere Methoden ergänze – etwa wenn es um die Ideen-Entwicklung und die Konzeption geht oder auch um das Storytelling. Aber so ist Dragon Dreaming auch gedacht: Die Methoden sind OpenSource. Das bedeutet, dass man sie abwandeln und variieren kann, wie es für ein Projekt und eine Gemeinschaft, ein Team passt. Und man kann es erweitern und ergänzen in den Bereichen, in denen man noch zusätzliche Möglichkeiten braucht. Für den einen sind das die Methoden zum Träumen, für den anderen solche zum Planen. Beim Handeln hat ohnehin jeder seine Profession – und auch beim Feiern sollen die Menschen die Formen finden, die besonders gut zu ihnen und ihrem Projekt passen. Wichtig ist, dass man offen bleibt und gerne experimentiert, denn Dragon Dreaming beinhaltet in sich den Willen zur Diversität und zum ständigen Lernen und Austauschen.

Ist Dragon Dreaming schwierig zu lernen?

Ja und nein. Die Methoden sind bewusst spielerisch gehalten, so dass sich zum Beispiel auch die Menschen in die Projektplanung einbeziehen lassen, die kaum oder keine Ahnung von Projekt-Management haben. Das heißt, Dragon Dreaming gibt einen einfachen, intuitiven und spielerischen Einstieg, um die Fähigkeit zu erlernen, sich und seine Gemeinschaft zu »führen«. Damit ist keine Führungskraft im klassischen Sinne gemeint, da Dragon Dreaming auf Collective Leadership setzte – also darauf, dass das Team gemeinsam, kollektiv führt. Jeder kann mal die Führung übernehmen oder auch abgeben, aber es verfestigen sich keine Führungshierarchien. Das ist eine Form der Selbstermächtigung, die im Dragon Dreaming sehr wichtig ist.

Die innere Haltung zu erlernen, ist hingegen eine Lebensaufgabe. Ein Ideal, dem man sich annähern kann und sollte. Vor allem, wenn es schwierig wird: Wenn da jemand ist, der mir furchtbar auf die Nerven geht. Wenn es unterschiedliche Meinungen darüber gibt, wie genau sich die Projektziele erreichen lassen. Oder wenn der finanzielle und/oder zeitliche Druck steigt. In diesen Situationen zeigt sich, wie tolerant und offen, weise und gütig, mitfühlend und liebevoll wir tatsächlich sein können. Aber das ist es auch vor allem, was Projekte im Sinne des Dragon Dreaming erfolgreich sein – oder eben auch scheitern lässt.

Wir danken Dir sehr herzlich für das Interview!

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Foto: Ilona Koglin

Dragon Dreaming im Netz: www.dragondreaming.org

Wer nun Lust bekommen hat Dragon Dreaming zu lernen: Ilona gibt vom 21.03 – 23.03.14 einen Dragon Dreaming Workshop im Öko-Dorf Sieben Linden.